Professionelles ANSCHREIBEN

Analyse der Stellenanzeige zuerst

Wenn die geforderten fachlichen und persönlichen Eigenschaften auf den ersten oder zweiten Blick im Inhalt der Stellenanzeige gut oder sogar sehr gut zu Ihren beruflichen Veränderungs- und Weiterentwicklungswünschen passen, gilt es zuerst systematische Vorarbeit zu leisten:

Schreiben Sie die Anforderung der Anzeige links auf und rechts daneben Ihre Lösung:
Zum Beispiel auszugsweise:
Drei Jahre Tätigkeit als Entwickler im Maschinenbau - zwei Jahre bis jetzt
Studienschwerpunkt digitale Bildverarbeitung - nicht vorhanden
Teamführungsfähigkeiten - Projekte an der Uni

Gehen Sie dabei alle Anforderungen durch und schreiben Sie Ihren ganz persönlichen Beitrag dazu auf, weil:
a) Sie erhalten bezüglich der Kompatibilität selbst ein wesentlich klareres Bild
b) Sie verwenden diese Argumentation im Anschreiben und ggf. im Lebenslauf

Wenn Sie nunmehr für die ausgeschriebenen Position eigentlich über- oder auch unterqualifiziert sind? Bewerben Sie sich trotzdem! Keine Anzeige ist mit allen Eventualitäten beschrieben und trotz möglicherweise vieler Bewerber-Konkurrenten wird in der Praxis sehr oft und zu Gunsten Ihres Gesamteindruckes auf die Erfüllung aller Wunsch-Fähigkeiten kein ausschließlicher Wert gelegt.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, rufen Sie bei der Personalleitung an und fragen, ob beispielsweise ihr ganz persönliches Manko (Beispiel Studienschwerpunkt nicht vorhanden) ein k.o.-Kriterium ist und entscheiden Sie bezüglich Ihrer Bewerbung entsprechen der Ihnen gegebenen Antwort.

Anschreiben professionell konzipieren

Jeder Leser möchte so schnell wie möglich die wichtigsten Informationen erhalten. Tun Sie auch dem Personalchef mit Ihrer Bewerbung diesen Gefallen. Halten Sie sich nicht mit unnötigen Floskeln auf – kommen Sie umgehend zu den wichtigen Aussagen: Diese ergeben sich ganz einfach aus den Anforderungen der Stellenanzeige und Ihren dazu passenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Betrachten Sie die Wünsche des Unternehmens als Fragen, zu denen Sie – möglichst beispielhaft und unmittelbar – die passende Antwort in Ihrem Anschreiben geben!

Beispiel:
Teamführungsfähigkeiten erarbeitete ich mir bei verschiedenen freiwilligen betrieblichen Praktiken und Projekten an der Uni, wie zum Beispiel als Teamleiter einer Montagegruppe in einem Maschinenbaubetrieb, als Sprecher und Initiator der Firmenkontaktbörse an der Universität...

Konzentrieren Sie sich auf die gefragten Eigenschaften und lesen Sie jeden Satz mit den Augen eines Personalleiters. Argumentieren Sie, warum Sie der Richtige sind und warum Sie gerade dort arbeiten wollen. Folgende vier Regeln helfen Ihnen grundsätzlich dabei:

Vier einfache Regeln für den Erfolg eines Bewerberanschreibens

Regel 1: Textteile, welche überflüssig sind (z.B.: "Ich habe Ihre Anzeige in der X-Zeitung gelesen und bewerbe mich deshalb bei Ihnen....") oder selbstverständlich (z.B.: "Sie suchen einen Maschinenbauingenieur mit Berufs und Bildverarbeitungserfahrung...") sollten Sie einfach weglassen!! Sie benötigen den Platz im Anschreiben für ihre Argumentation bezüglich Ihrer zum Profil passenden Fähigkeiten. Schriftliches Füllmaterial macht keinen guten Eindruck – Sie haben wichtigeres zu sagen!

Regel 2: Jede Zeile des Textes mit wertvollen Informationen ausfüllen!!
Der Personalentscheider will so schnell und effizient wie möglich für die Position entscheidende fachliche und persönliche Informationen lesen. Genau das erwartet die neue Arbeitsaufgabe ja wohl auch von Ihnen: schnell, qualitativ und effizient die Lösung erarbeiten. An Ihrem Textaufbau kann man solche Eigenschaften schon feststellen.

Regel 3: Für jede Behauptung im Text eine Begründung angeben!!
Behauptungen (z.B.: "Ich spreche verhandlungssicheres Englisch") mit Beispielen aus der fachlichen Erfahrung belegen (z.B.: "Die Arbeitssprache in meinen betrieblichen Praktiken war Englisch"). Fragen Sie sich nach jedem Satz: Ist meine Behauptung auch wirklich ausreichend anschaulich begründet?

Regel 4: Negative Satzelemente oder unsichere Formulierungen streichen!!
Die Verwendung von Worten und Formulierungen wie "hätte, könnte, vielleicht, würde, unter anderen Umständen..." ergeben nur Zweifel beim Leser Ihres Anschreibens. Formulieren Sie nicht nach der Ausschlussmethode, sondern im positiven Stil, weil so ganz automatisch ein klarer positiver Hintergrund Ihrer Persönlichkeit wirkt.

Wenden Sie diese Regeln auf jeden Satz und jede Argumentation in Ihrem Bewerbungsschreiben an, dann haben Sie – vielleicht erst nach einigen Änderungsversuchen – eine tatsächlich "aussagekräftige" Bewerbung erarbeitet.

So wird die Nachvollziehbarkeit Ihrer Argumentationen und Ihre Fähigkeit der Konzentration auf wesentliche Gesichtspunkte unter Vermeidung überflüssiger Informationen ganz bewusst auch auf die Bewertung Ihrer Persönlichkeit übertragen: Neben fachlichen Grundvoraussetzungen sehr gute Gründe für den Personalverantwortlichen Sie bald ein zu laden.

Ergeben sich bei einer anderen Bewerbung neue Anforderungen an Ihre fachlichen oder persönlichen Qualitäten, muss das Anschreiben auch entsprechend den oben angeführten Empfehlungen geändert werden. Vermeiden Sie pauschale Anschreiben und unbelegte Behauptungen – das könnte auf die Beurteilung Ihrer Bewerbung zurück fallen!

Gehaltsangaben

Verschleiern Sie Gehaltsangaben im Anschreiben mit Sätzen wie: "Die Gehaltsfrage möchte ich dem persönlichen Gespräch überlassen" oder "Ich denke, dass Sie sicher einen adäquaten und für mich akzeptablen Vorschlag unterbreiten werden", weil ein zu hoher Betrag eindeutig ein Ablehnungskriterium ist. Auch wenn Sie eventuell mit weniger zufrieden wären, weiß jeder Personalchef, dass Ihre grundsätzliche Zufriedenheit bei großen Unterschieden von vorne herein und nachhaltig gestört wäre. Das erzeugt mit der Zeit Missstimmung und ergibt für die Zusammenarbeit – auch im Team – keine guten Voraussetzungen.

Wenn Sie ansonsten durch Ihre argumentativ ausgereiften Unterlagen überzeugen können, wird man Sie eventuell vor einem Gespräch anrufen und dazu befragen. Spätestens hier sollten Sie zumindest Ihr bisherigen Einkünfte angeben und fragen: "Ist das zu viel oder zu wenig". Wenn Sie es sich zutrauen, fragen Sie bei so einer Gelegenheit zuerst: "In welchem Rahmen würde sich denn das Gehalt bewegen? ". Das gilt selbstverständlich nur, wenn beim Anruf schon angedeutet wurde, dass es unter anderem um Ihrer Gehaltsvorstellungen geht!

Wenn Sie vor einem Gespräch nicht dazu angerufen werden, warten Sie die diesbezügliche Frage im Verlaufe des Vorstellungstermins einfach ab. An der Art der Argumentation merken Sie ziemlich schnell, ob Sie ggf. zu hoch oder zu tief liegen.

Überlegen Sie sich unbedingt vorher, die obere und untere Grenze Ihrer ganz persönlichen Gehaltsvorstellung und wie Sie dies realistisch begründen! Nur wegen einem Stellenwechsel mehr Geld zu verlangen kommt nicht immer gut an. Argumentieren Sie z.B. mit der Passgenauigkeit zum Stellenangebot, zusätzlichen nützlichen Kenntnissen oder einer bereits in der Freizeit begonnen passenden Sprachausbildung!

Kündigungsfrist

Falls Sie Ihre bestehende Kündigungsfrist angeben sollen, spricht nichts dagegen. Bitte beachten Sie, dass bei längerer Betriebszugehörigkeit nur der Betrieb längere Fristen berücksichtigen muss – nicht Sie!
Sofern Sie auf Grund Ihres Arbeitsvertrages eigene Kündigungsfristen von drei, sechs oder mehr Monaten einzuhalten haben, wird es schwierig. Selbstverständlich wartet jedes Unternehmen auf einen qualifizierten Bewerber auch mehrere Monate oder hat sowieso entsprechend lange voraus geplant – aber längst nicht immer. Wenn Sie zu diesem Kreis gehören, oder / und in der Anzeige eine schnelle Besetzung bevorzugt wird, geben Sie "eine für meine Position normale vertragliche Kündigungsfrist" an.

Sie können so ein Ausschlusskriterium vermeiden und – falls Sie dann eine endgültige Zusage erhalten – immer noch Ihre aktuelle Geschäftsleitung um Verständnis und Zustimmung zu einer kürzeren – als vertraglich vereinbarten – Kündigungsfrist bitten.

Werden Sie im Bewerbungsgespräch gezielt gefragt, müssen Sie allerdings wahrheitsgemäß antworten, sonst könnten ggf. sogar Schadenersatzforderungen auf Sie zu kommen, falls Ihr "alter" Chef doch nicht so verhandlungsbereit ist, wie Sie vielleicht gedacht haben und Sie die neue Position nicht zum vereinbarten Zeitpunkt antreten können!
Ein erfahrener Chef wird sich jedoch aus verschiedenen Gründen einverstanden erklären: Zum einen will er nicht wirklich Ihrer Entwicklung im Wege stehen und zum anderen hat er eventuell Nachteile durch das monatelange Ausleben einer inneren und äußeren Kündigung. Auch Ihr neuer Betrieb wird bei diesbezüglich auftretenden Problemen verhandlungsbereit sein, wenn Sie umgehend und offen Auskunft zur nunmehr veränderten Kündigungsfrist-Lage geben.

Schlussformeln

Entsprechend den oben angeführten Regeln sollten Schlussformeln nicht überflüssig für sich alleine dastehen, sondern einen weiteren Zweck erfüllen: Um ein persönliches Gespräch zu bitten!

Beispiel (soft):
Damit Sie sich von meinen fachlichen und persönlichen Fähigkeiten selbst überzeugen können, bitte ich um ein persönliches Gespräch.

Beispiel (forsch):
Sicher werden Sie mehrere Bewerber prüfen um den passenden zu finden. Deshalb bitte ich Sie um ein persönliches Gespräch, damit ich mir auch einen ersten Eindruck von Ihren Führungskräften und möglicherweise zukünftigen Kollegen machen kann.

Ein freundlicher Gruß und Ihre Unterschrift reicht zur Vervollständigung. Die früher übliche Aufzählung von Anlagen kann entfallen (Regel 1).

Lassen Sie Ihr Schreiben vom PC oder einer vertrauten Person auf Fehler überprüfen und lesen Sie es selbst noch ein Mal durch. Vielleicht fällt Ihnen auf den zweiten Blick eine bessere Formulierung oder ein unkomplizierteres Beispiel ein.

Sofern Ihr Anschreiben länger als eine Seite ist, haben Sie wahrscheinlich gegen mehrere der o. a. Regeln verstoßen. Je länger ein Berufsleben oder umfangreicher die angestrebte Position ist, können aber zwei Seiten notwendig sein.

Denken Sie an die beiden Hauptziele im Anschreiben: Es muss begründete Antworten darauf geben, warum gerade Sie der passende Bewerber für genau dieses Unternehmen sind!

Versendungsart

Achten Sie beim postalischen Versand unbedingt auf das korrekte Porto. Im Zweifel beim Postamt nachfragen. Schreiben Sie bei der Firmenadresse den in der Stellenanzeige genannten Ansprechpartner und Kennziffern dazu.
Vermeiden Sie die Versendung per Einschreiben oder das Beifügen eines Freikuverts für die Rücksendung, weil man annehmen könnte, dass Sie bezüglich der Organisation im Hause des Stellenausschreibers gewisse Zweifel haben könnten. Das kommt dann nicht so gut an! (Vor allem dort, wo es gut funktioniert)

Via eMail empfiehlt sich die Vorbereitung und Namensspeicherung für die Übersendung im Anhang Ihrer eMail, bei der Sie mit wenigen Worten auf die ausgeschriebene Stelle, den Ansprechpartner und die ggf. angegebene Kennziffer hinweisen. Achten Sie bei Ihrer eigenen Signatur auf korrekte Angaben und benützen Sie nach Möglichkeit zip-Techniken.

Wichtig: Fertigen Sie eine Kopie für Fragen und das Bewerbungsgespräch an.
 

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